Von Rejhan Kavazbasic · 9 Min. Lesezeit · Aktualisiert am 5. November 2026
Musik zum Testen deiner In-Ears oder Kopfhörer
So hörst du, wenn du zwei Paare vergleichst, diese Titel zeigen Bass, Stimmen, Zischlaute, Becken, Raum und dichte Passagen deutlich, dazu eine Checkliste für deine eigenen Lieblingstitel.
Fang mit Musik an, die du kennst
Testtitel haben keine Zauberkräfte. Ein Song taugt zum Testen, wenn du ihn so oft gehört hast, dass dir auffällt, wenn etwas anders ist: die Basslinie, die plötzlich leiser ist, eine Stimme, die dünner klingt, ein Becken, das auf einmal sticht. Darum kommen deine eigenen Lieblingstitel zuerst. Die Titel in diesem Ratgeber sind eine Ergänzung: bekannte Aufnahmen, die jeweils eine Sache deutlich zeigen.
Nimm Songs in verschiedenen Stilen. Ein Paar, das bei akustischer Musik wunderbar klingt, kann bei lautem Rock anstrengend sein, und umgekehrt.
Höchste Qualität
Stell deine Streaming-App auf die höchste Qualität und lade die Titel herunter. Dann sinkt die Qualität nicht mittendrin wegen einer schwachen Verbindung.
So hörst du fair
Zwei Dinge führen fast jeden in die Irre. Das erste ist die Lautstärke. Spielt ein Paar etwas lauter, klingt es meist voller und klarer, auch wenn du nicht bewusst hörst, dass es lauter ist. In-Ears unterscheiden sich stark in der Empfindlichkeit, dieselbe Lautstärkestufe am Handy ergibt also nicht dieselbe Lautstärke.
Das zweite ist dein Gedächtnis. Kleine Klangunterschiede merkst du dir nur ein paar Sekunden. Wechseln nach einem ganzen Album sagt mehr über deine Stimmung als über die In-Ears.
- 1
Wähl 3 bis 5 Titel
Musik, die du in- und auswendig kennst, in verschiedenen Stilen.
- 2
Schalte Effekte aus
Equalizer, 3D-Audio oder Dolby Atmos und Lautstärke-Booster in App oder Handy.
- 3
Gleiche die Lautstärke an
Stell jedes Paar so ein, dass eine Sprechstimme gleich laut klingt.
- 4
Wechsle schnell
Dieselbe Stelle von 10 bis 20 Sekunden auf dem einen, dann auf dem anderen.
- 5
Achte auf eine Sache
Erst der Bass, dann die Stimme, dann die Höhen. Schreib pro Runde einen Satz auf.
- 6
Dreh die Reihenfolge um
Fang jetzt mit dem anderen Paar an, oder lass jemand anderen wechseln, ohne zu sagen, welches es ist.
Hörst du den Unterschied immer noch? Dann ist er wirklich da.
Die Lautstärke nach Gehör anzugleichen ist nie exakt, sei bei kleinen Unterschieden also besonders kritisch. Ein Podcast oder Hörbuch eignet sich gut: Eine normale Sprechstimme kannst du leicht nach Gehör vergleichen.
Erst der Sitz
Nimm bei jedem Paar den Aufsatz, der am besten abdichtet, bevor du vergleichst. Ein Aufsatz, der nicht dicht ist, kostet Bass, und dann vergleichst du den Sitz statt des In-Ears. Unser Ratgeber zu Aufsätzen zeigt, wie du deine Größe findest.
Bleib bei mäßiger Lautstärke. Lauter zeigt nicht mehr, und eine Stunde Testen bei hoher Lautstärke summiert sich. Die Zahlen stehen in unserem Ratgeber zu sicherem Hören.
Bass: Tiefe und Kontrolle
Achte auf zwei Dinge: wie tief der Bass reicht und ob er straff bleibt. Gute Kontrolle heißt, dass jede Bassdrum sauber aufhört und eine Basslinie aus einzelnen Tönen besteht, nicht aus einem langen Brummen.
| Titel | Worauf du achtest |
|---|---|
| Massive Attack – Angel | Der Song beginnt mit einer langsamen, tiefen Basslinie. Hörst du jeden Ton einzeln, oder laufen sie zu einem Summen zusammen? |
| James Blake – Limit to Your Love | Ein Feist-Cover mit Klavier, Pausen und dann einem sehr tiefen Subbass. Reicht der Bass tief, ohne Klavier und Stimme zu verdecken? |
| Billie Eilish – bad guy | Ein tiefer Synthesizerbass unter einer leisen Stimme, nah am Mikrofon gesungen. Bleibt die Stimme klar, während der Bass pumpt? |
| Paul Kalkbrenner – Sky and Sand | Eine gleichmäßige Bassdrum und eine lange Basslinie, gesungen von seinem Bruder Fritz. Hört jeder Kick auf, bevor der nächste kommt, oder verschmiert es? |
| Stromae – Alors on danse | Trockener elektronischer Bass und eine Stimme zwischen Sprechen und Singen. Ein guter Test, ob der Mittelbass über die Stimme läuft. |
Hören, nicht spüren
Ein In-Ear kann keine Luft gegen deinen Körper drücken wie ein Lautsprecher. Du hörst das tiefe Grollen, spürst es aber nicht in der Brust. Beurteile Subbass also nach dem, was du hörst.
Stimmen und Zischlaute
Stimmen kennen wir am besten, darum fällt dort am schnellsten auf, wenn etwas nicht stimmt. Hör, ob eine Stimme natürlich klingt: nicht zu dünn, nicht zu dick, nicht zu weit weg und nicht schreiend.
| Titel | Worauf du achtest |
|---|---|
| Adele – Someone Like You | Nur Stimme und Klavier. Hat ihre Stimme Gewicht in den tiefen Tönen, und bleibt sie geschmeidig, wenn sie voll aussingt? |
| Tracy Chapman – Fast Car | Stimme und das wiederkehrende Riff auf der Akustikgitarre. Klingt die Gitarre nach Holz und Saiten, nicht nach Plastik? |
| Herbert Grönemeyer – Der Weg | Eine tiefe Männerstimme mit Klavier. Klingt die Stimme voll, ohne zu dröhnen? |
| Selah Sue – Raggamuffin | Eine raue Stimme über einer schweren Basslinie. Hörst du die Rauheit als Textur oder als Verzerrung? |
Für Zischlaute nimmst du leise Stimmen, die nah am Mikrofon aufgenommen sind, mit vielen S- und T-Lauten. Hör, ob sie wie ein sanftes Zischen klingen oder wie ein scharfer Stich.
- Billie Eilish – when the party's over: eine flüsternde Stimme über einem sparsamen Klavier.
- Norah Jones – Don't Know Why: eine sanfte Stimme aus der Nähe, mit Klavier und einer ruhigen Band.
Liegt es an der Aufnahme?
Hörst du scharfe S-Laute? Probier ein paar andere Titel. Sticht nur einer, liegt es an der Aufnahme. Stechen alle, liegt es am In-Ear oder am Sitz: Ein Aufsatz, der tiefer oder weniger tief sitzt, verschiebt die Spitze in den Höhen.
Becken und Höhen
Becken verraten viel über die Höhen. Sie sollen schimmern und ruhig ausklingen, nicht spritzen, zischen oder nach Blech klingen.
| Titel | Worauf du achtest |
|---|---|
| Steely Dan – Aja | Das berühmte Schlagzeugsolo von Steve Gadd, mit viel Beckenarbeit. Das Album gewann 1978 einen Grammy für die Aufnahmetechnik. Klingt jedes Becken anders, oder wird es ein einziger Schleier? |
| The Dave Brubeck Quartet – Take Five | Ride-Becken und Schlagzeug unter der ganzen Melodie und ein Schlagzeugsolo von Joe Morello. Klingen die Becken natürlich oder zischelig? |
| Golden Earring – Radar Love | Treibende Hi-Hats und in der Albumversion ein Drum-Break in der Mitte. Bleibt es bei mäßiger Lautstärke knackig? |
| Daft Punk – Get Lucky | Von Studiomusikern eingespielt statt programmiert, mit der Gitarre von Nile Rodgers und einer straffen Hi-Hat. Random Access Memories gewann 2014 den Grammy für das beste technisch aufgenommene Album (nicht klassisch). |
Raum und dichte Passagen
Für Soundstage und Ortung nimmst du Aufnahmen, in denen sich viel zwischen links und rechts bewegt. Für Dynamik und Trennung Musik, die von ganz leise bis ganz voll geht.
| Titel | Worauf du achtest |
|---|---|
| Pink Floyd – Time | Beginnt mit einem Raum voller tickender und klingelnder Uhren. Toningenieur Alan Parsons nahm sie in einem Antiquitätenladen auf, als Test für Quadrofonie. Kannst du einzelne Uhren zeigen? |
| Hans Zimmer – Time | Aus dem Film Inception. Das Stück baut sich langsam von ein paar leisen Tönen bis zum vollen Orchester auf. Wird das Bild breiter und tiefer, und bleibt es auf dem Höhepunkt sauber? |
| Maurice Ravel – Boléro | Ein einziges langes Crescendo über einem Rhythmus der kleinen Trommel, der nie aufhört, von ganz leise bis zum ganzen Orchester. Nimm eine gute Orchesteraufnahme deiner Wahl. Ein Test für Dynamik und am Ende für Trennung. |
| Queen – Bohemian Rhapsody | Der Opernteil steckt voller übereinandergeschichteter Gesangsspuren. Kannst du noch einzelne Stimmen verfolgen, oder wird es eine Wand? |
| Within Temptation – Ice Queen | Niederländischer Symphonic Metal: Gitarren, Schlagzeug, Keyboardschichten und die hohe Stimme von Sharon den Adel gleichzeitig. Bleibt der Gesang obenauf? |
| Rammstein – Sonne | Tiefe, schwere Gitarren und ein stampfender Rhythmus. Bleibt der Tiefton sauber, wenn alles gleichzeitig spielt? |
Binaurale Aufnahmen
Neugierig, was Kopfhörer oder In-Ears mit Raum können? Such nach binauralen Aufnahmen. Sie werden mit Mikrofonen in den Ohren eines Kunstkopfs gemacht und können klingen, als käme der Klang von außerhalb deines Kopfes.
Checkliste zum Mitnehmen
Geh diese Fragen mit deinen eigenen Titeln und ein paar aus diesem Ratgeber durch. Schreib für jedes Paar eine kurze Antwort auf.
- Bass: Hörst du einzelne Töne in einer Basslinie, und hört jeder Kick sauber auf?
- Subbass: Kommt das tiefste Grollen bei mäßiger Lautstärke durch?
- Stimmen: natürlich, nicht dünn, nicht dröhnend, nicht schreiend?
- S- und T-Laute: sanft oder stechend, und bei jedem Titel oder nur bei einem?
- Becken: schimmern und ausklingen, oder spritzen und zischen?
- Raum: Kannst du Instrumente zeigen, und steht der Gesang in der Mitte?
- Dichte Passagen: Kannst du einem Instrument weiter folgen?
- Nach einer Stunde: noch bequem, oder willst du sie herausnehmen?
Du willst Worte für das, was du hörst? Unser Hifi-Wörterbuch erklärt Soundstage, Zischlaute, Wärme und den Rest.
Du willst hören, was die Abstimmung ausmacht? Diese vier messen mit deutlich verschiedenen Kurven: der KBEAR Ink als V-Form, der Tripowin Leá nah an der Zielkurve, der Moondrop Chu mit weniger Bass und der FiiO FT1 Pro als offener Kopfhörer.
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